Teilhabe und Selbstbestimmung

Der Caritasverband für Stuttgart macht sich seit Jahrzehnten in Einrichtungen und Projekten für die inklusive Gesellschaft stark, nimmt Menschen mit Behinderung mit ihren individuellen Bedürfnissen ernst und fördert sie. Gesellschaftliche Teilhabe als Menschenrecht – das gilt ohne Einschränkungen auch für Menschen mit einer Behinderung. 2009 schließt sich Deutschland der UN-Behindertenrechtskonvention an. 2017 tritt das Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung in Kraft. Es wird die Arbeit in der Behindertenhilfe in Zukunft stark beeinflussen.

Behindertenhilfe

„Jeder hat die gleichen Rechte. Das steht im Grundgesetzbuch. [...] Eigentlich sollten alle gleich behandelt werden. Aber das ist nicht so. Manche werden bevorzugt und andere werden schlecht behandelt.“

Katja Herzog, Schreibwerkstatt im Treffpunkt, inklusive Bildungs- und Begegnungsstätte im Caritasverband

Frau mit Huhn

Ein ganz normales Leben führen

Ein wichtiges Stichwort der inklusiven Gesellschaft heißt Teilhabe. Teilhabe bedeutet, das tun zu können, was andere auch tun – arbeiten etwa. 1965 wird die „Beschützende Werkstatt für Behinderte“ in der Schwabstraße (heute Neckartalwerkstätten) eröffnet. Hier arbeiten 340 Menschen in der Produktion sowie im Förder- und Betreuungsbereich.

„Wohnen und begegnen wie in einer Familie“ ist seit 1980 das Motto im Haus Clemens von Galen. Beliebter Ort im Caritas-Zentrum Bad Cannstatt ist der „Treffpunkt“, die inklusive Bildungs- und Begegnungsstätte, die ein vielfältiges Programm anbietet – von Sport und Bildung über Musik und Tanz bis zur Theatergruppe „Fast Normal“. Und auch der Tierhof Arche Noah gibt seit zehn Jahren Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung die Möglichkeit einer sinnvollen Beschäftigung und verbindet Tierschutz mit sozialer Arbeit.


Wohnangebote

Heimat geben – mit differenzierten Angeboten

Individuelle Wohnangebote sind ein zentraler Aspekt der Behindertenhilfe. 1972 wird das Haus Teresa in Musberg eingeweiht – als erstes Wohnheim in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Region Stuttgart, in dem Erwachsene mit geistiger Behinderung außerhalb eines Anstaltsbereiches ein Zuhause finden. Heimat geben – das gelingt auch im Haus St. Ursula im Stuttgarter Osten und es ist zudem das Ziel für Mütter mit Behinderung und ihre Kinder im Wohnprojekt Lindichstraße in Feuerbach. Heute steht nicht mehr nur die Fürsorge im Fokus. Vielmehr geht es um individualisierte und differenzierte Wohnangebote für behinderte Menschen, die das Recht auf Selbstbestimmung haben.

1917

5. Juni: Auftrag zur Errichtung eines Caritassekretariats für Stuttgart durch Bischof Paul Wilhelm von Keppler

1933

Bis 1933: Auskunftsstelle für deutsche Auswanderer, Beginn der Jugendfürsorge, Sammlungen für Arbeitslose.
Ab 1933: Caritas im Zuge der Gleichschaltung als Teil der nationalsozialistisch organisierten Volkswohlfahrt; dennoch Erhalt der Eigenständigkeit,

1945

Kriegsgefangenen- und Heimkehrerhilfe, Notunterkünfte in Bunkern, Koordination Hoover-Speisung

1957

8. November: Umwandlung des Caritas-Sekretariats in den Caritasverband für die Gesamtgemeinde Groß-Stuttgart

1965

Hilfen für Wohnungslose und ältere Menschen im Johannes-Straubinger-Haus, Eröffnung Psychologische Beratungsstelle für Eltern seelisch erkrankter Kinder, Eröffnung Beschützende Werkstatt für Menschen mit Behinderung

1972

Umwandlung Name in „Caritasverband für Stuttgart e.V.“

1982

1982 bis 84: Aufbau und Etablierung sozialpsychiatrische Dienste

1994

Start sozialpädagogische Arbeit an Schulen
Eröffnung Frauenpension als Wohnangebot für obdachlose Frauen

1999

Gründung Caritas Gemeinschafts-Stiftung

2005

September: Eröffnung Freiwilligenagentur Caleidoskop

2011

Start Projekt „Sonnenkinder“, frühe Hilfen für Familien

2015

6. September: Einzug Flüchtlinge ins Haus Martinus