Mehr als eine Unterkunft

Wohnungslos 2017 in Stuttgart – das betrifft rund 4000 Menschen. Die Hilfe für jene, die keine eigene Wohnung haben oder auf der Straße leben müssen, gehört zum Herzstück der Arbeit im Caritasverband. Wer keinen Wohnsitz hat, dem fehlt der private Rückzugsraum. Er tut sich schwer bei der Arbeitssuche, mit dem Bezug von sozialen Leistungen oder beim Eröffnen eines Bankkontos. Wohnungsnotfallhilfe ist deshalb immer mehr als die Suche nach geeignetem Wohnraum. Sie umfasst die Hilfe bei alltäglichen Problemen und Unterstützung bei der Planung der Lebensperspektiven der betroffenen Menschen. Wohnungsnot in Stuttgart ist ein Dauerthema.

Wohnungshilfe

„Da kam jemand in die Tagesstätte und sagte:
Da bin ich, arbeitslos, hilflos, allein und ohne Wohnung.“

Reinhold Eipperle, 1. Leiter Abteilung 2 Soziale Dienste, Interview 24.10.2016

Wohnungsnotfallhilfe

Räume bieten

Im Johannes-Straubinger-Haus in der Olgastraße wird die Hilfe für wohnungsund obdachlose Menschen intensiv auf- und ausgebaut. Hier im „Club“ treffen sich ab 1967 ehemalige Häftlinge, zu denen sich die so genannten „Waldmännlein“ gesellen. Aus diesen Angeboten entwickeln sich neue Dienste: die Ambulanz für die medizinische Notversorgung, der Fachdienst sozialpsychiatrische Hilfen und die Wohngemeinschaft im ehemaligen Straßenbahnerwohnheim in Heslach.

Eine Anlaufstelle für junge Menschen ist ab 1952 das Don-Bosco-Haus. Als Lehrlings- und Jugendarbeiterwohnheim in der Rotebühlstraße gegründet, bietet es heute in der Reinsburgstraße Hilfen an für junge männliche Erwachsene in schwierigen Lebenssituationen.


Obdachlosenhilfe

Zuflucht für Menschen ohne Zuhause

Im Rahmen des „Sozialplans Gefährdete und Nichtsesshafte in Stuttgart“ weiht der Caritasverband 1980 das Carlo-Steeb-Haus in Bad Cannstatt als eine der größten Einrichtungen für wohnungs- und obdachlose Männer in Baden-Württemberg ein.

Wohnungs- und obdachlosen Frauen bietet die Caritas in Stuttgart ab 1991 Zuflucht in einer Wohngruppe. 1994 eröffnet die erste Frauenpension im Veielbrunnenweg. Der Bedarf an Wohnangeboten für Frauen wächst. Im Jahr 2016 wird eine weitere Frauenpension für sie in der Kegelenstraße eingerichtet.

1917

5. Juni: Auftrag zur Errichtung eines Caritassekretariats für Stuttgart durch Bischof Paul Wilhelm von Keppler

1933

Bis 1933: Auskunftsstelle für deutsche Auswanderer, Beginn der Jugendfürsorge, Sammlungen für Arbeitslose.
Ab 1933: Caritas im Zuge der Gleichschaltung als Teil der nationalsozialistisch organisierten Volkswohlfahrt; dennoch Erhalt der Eigenständigkeit,

1945

Kriegsgefangenen- und Heimkehrerhilfe, Notunterkünfte in Bunkern, Koordination Hoover-Speisung

1957

8. November: Umwandlung des Caritas-Sekretariats in den Caritasverband für die Gesamtgemeinde Groß-Stuttgart

1965

Hilfen für Wohnungslose und ältere Menschen im Johannes-Straubinger-Haus, Eröffnung Psychologische Beratungsstelle für Eltern seelisch erkrankter Kinder, Eröffnung Beschützende Werkstatt für Menschen mit Behinderung

1972

Umwandlung Name in „Caritasverband für Stuttgart e.V.“

1982

1982 bis 84: Aufbau und Etablierung sozialpsychiatrische Dienste

1994

Start sozialpädagogische Arbeit an Schulen
Eröffnung Frauenpension als Wohnangebot für obdachlose Frauen

1999

Gründung Caritas Gemeinschafts-Stiftung

2005

September: Eröffnung Freiwilligenagentur Caleidoskop

2011

Start Projekt „Sonnenkinder“, frühe Hilfen für Familien

2015

6. September: Einzug Flüchtlinge ins Haus Martinus