100 Jahre Gerechtigkeit

Perspektive bieten, Hoffnung geben

Die Not der Menschen in der Kriegs- und Nachkriegszeit ist groß. Überall in Deutschland gründet die katholische Kirche Caritasverbände. Auch in Stuttgart. Im Jahr 1917 legt Bischof Dr. Paul Wilhelm von Keppler den Grundstein für die Errichtung eines Caritassekretariats. Erster Sekretär in Stuttgart wird Dr. Johannes Straubinger.

1957 wird der Caritasverband für Stuttgart als eigenständiger Verein gegründet. Seit nunmehr 100 Jahren lindert der Wohlfahrtsverband auf vielfältige Weise die Not der Menschen – und das mit verschiedensten Aufgabenstellungen und unter sich ständig wandelnden Herausforderungen.

Kleidersammlung

„Der Menschheit ganzer Jammer faßt uns an, wenn wir bedenken, daß diese
Enterbten und Verhungernden die Besten unseres Volkes sind:
alte Handwerker, treue, ausgediente Dienstboten, ehemalige Kaufleute,
Angehörige der freien Berufe, die sich redlich durchs Leben geschlagen haben.“

Caritasdirektor Dr. Johannes Straubinger

Historisches Dokument

Große Herausforderungen und vielfältige Aufgaben

Während und nach dem Ersten Weltkrieg leidet die Bevölkerung unter Hunger und Krankheit, Wohnungsnot und Massenarbeitslosigkeit.

Die Aufgaben der Caritas sind vielfältig. Menschen bekommen bei der Caritas ein günstiges Mittagessen, es gibt Kleider- und Brennholzsammlungen. Eine Lesestube in der Schwabstraße versucht, den Hunger auf Bildung zu stillen.

Auch während der Inflation in den 1920er Jahren leiden die Menschen existenzielle Not – ein Ei kostet eine Milliarde Mark, ein Pfund Kartoffeln 60 Milliarden. So mancher sucht Trost im Alkohol. Die Caritas richtet Trinkerfürsorgestellen ein und bietet Hilfen für Menschen ohne Arbeit an.

In der Zeit des Nationalsozialismus mit dem Ziel der Vereinheitlichung des Reichs durch Gleichschaltung soll Wohlfahrtspflege nur noch die „Leistungsträger der Volksgemeinschaft“ unterstützen.

Überall in Deutschland in allen gesellschaftlichen Teilen, in Institutionen und Verbänden gibt es Widerstandsleistende, Menschen, die sich irgendwie arrangieren, und Unterstützer des NS-Regimes. Der Caritasverband nimmt hier keine Sonderstellung ein.


Historische Aufnahme der Olgastraße 46

Olgastraße 46

1957 wird der Caritasverband für Stuttgart als eigenständiger Verein gegründet. Ein Zentrum seiner Arbeit ist bis heute die Olgastraße 46 mit dem Johannes-Straubinger-Haus, das der Verband im Jahr 1965 bezieht. Im Haus sind Büros der Mitarbeiter ebenso wie der Club für Haftentlassene und Obdachlose. Auch eine Altenbegegnungsstätte hat hier ihre Räume. Heute ist das Johannes-Straubinger-Haus eine Anlaufstelle für Menschen ohne Obdach.


Bilanz des Krieges für Stuttgart

So viele Menschen suchen Hilfe

Bilanz des Krieges für Stuttgart: Bei über 50 Fliegerangriffen werden mindestens 4500 Menschen getötet und bis zu 70 Prozent der Gebäude zerstört. 1945 übernehmen amerikanische Truppen die Befehlsgewalt in Stuttgart. Flüchtlinge, Kriegsheimkehrer und Ausgebombte suchen jetzt Hilfe – genau wie Überlebende aus den Konzentrationslagern und Evakuierte. Inmitten der Trümmer erscheint es wie ein Wunder, dass das Haus der Caritas in der Weißenburgstraße nahezu unbeschädigt ist.

1917

5. Juni: Auftrag zur Errichtung eines Caritassekretariats für Stuttgart durch Bischof Paul Wilhelm von Keppler

1933

Bis 1933: Auskunftsstelle für deutsche Auswanderer, Beginn der Jugendfürsorge, Sammlungen für Arbeitslose.
Ab 1933: Caritas im Zuge der Gleichschaltung als Teil der nationalsozialistisch organisierten Volkswohlfahrt; dennoch Erhalt der Eigenständigkeit,

1945

Kriegsgefangenen- und Heimkehrerhilfe, Notunterkünfte in Bunkern, Koordination Hoover-Speisung

1957

8. November: Umwandlung des Caritas-Sekretariats in den Caritasverband für die Gesamtgemeinde Groß-Stuttgart

1965

Hilfen für Wohnungslose und ältere Menschen im Johannes-Straubinger-Haus, Eröffnung Psychologische Beratungsstelle für Eltern seelisch erkrankter Kinder, Eröffnung Beschützende Werkstatt für Menschen mit Behinderung

1972

Umwandlung Name in „Caritasverband für Stuttgart e.V.“

1982

1982 bis 84: Aufbau und Etablierung sozialpsychiatrische Dienste

1994

Start sozialpädagogische Arbeit an Schulen
Eröffnung Frauenpension als Wohnangebot für obdachlose Frauen

1999

Gründung Caritas Gemeinschafts-Stiftung

2005

September: Eröffnung Freiwilligenagentur Caleidoskop

2011

Start Projekt „Sonnenkinder“, frühe Hilfen für Familien

2015

6. September: Einzug Flüchtlinge ins Haus Martinus